Mittwoch, 15 Dezember 2010 20:13

Secret of Mana

Written by Jehuty

bewertungskasten_SoM_ohne_sternSoM.039png_thumbDie Firma Squaresoft (jetzt Square-Enix) ist sicherlich jedem RPG-Fan ein Begriff. Zu den goldenen SNES Zeiten entwickelte die japanische Schmiede eine Menge an Rollenspielen für Nintendos 16 Bit Konsole. Beispiele wie Final Fantasy, Chrono Trigger und Romancing Sa-Ga verdeutlichen, dass Square auf dem Gebiet der Rollenspiele DIE große Kompetenz war. Viele dieser Spiele wurden jedoch nie in Europa veröffentlicht.

Leider kam es irgendwann so wie es kommen musste und Square und der japanische Videospielgigant verkrachten sich. Das Ergebnis dieses Streits war, dass nach diesem Streit nur noch zwei Spiele für das Super Nintendo Entertainment System (Super Mario RPG beziehungsweise Radical Dreamers für das gescheiterte Satellitview) das Licht der Welt erblickten. Eines der Spiele aus dem Hause Square, die lange vorher (und glücklicherweise auch in Europa) erschienen sind, stellt Secret of Mana aus dem Jahre 1993 dar, welches den Spieler in eine fantastische Welt voller Monster, Geschichten, einem heiligen Schwert und dem legendären Mana Baum entführte.

SoM.163png_thumbIn einer weit entfernten Zeit auf einem unbekannten Kontinent lebte einst ein Volk, welches nicht an Götter glaubte und auch keinem Herrscher unterstellt war. Alles, woran dieses Volk glaubte, war die heilige Kraft des so genannten Manas. Als Zeichen dafür steht der legendäre Mana Baum, in dem noch heute eine unbekannte Kraft ruht. Einzig die alten Weisen des Landes kennen die Geschichte des Baumes noch. Wie es mit solchen mysteriösen Kräften üblicherweise ist, versuchten vor langer langer Zeit die Bewohner des Landes, diese Kraft für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Es kam wie es kommen musste und alles ging den Bach runter. Da erschien plötzlich ein Ritter, welcher die verdorbenen Menschen bestrafte und ihre komplette Zivilisation restlos zerstörte. Als Siegel gegen das Böse verteilte der Ritter die Samen des Mana Baumes auf acht verschiedene Paläste. Seine Waffe, dass legendäre Mana Schwert, rammte er anschließend in einen Felsen, wo es in der Zukunft als Mahnmal gegen den Missbrauch der Mana-Kraft dienen sollte. Dort verblieb das Schwert bis zu jenem Tage, an dem drei Jungen auf einer Brücke spielten…

SoM.054png_thumbGenau an diesem Tag fängt das Spiel an. Im Intro erlebt der Spieler, wie die besagten drei Jungen auf einer schmalen Brücke spielen. Plötzlich verliert einer der Jungen den Halt. Er rutscht aus und fliegt von der Brücke, überlebt aber wie durch ein Wunder, weil sein Sturz von einem kleinen Bach abgefedert wird. Hier entdeckt er den Felsen in den der Ritter einst sein Schwert gerammt hatte. Angelockt von einer mysteriösen Stimme zieht der Held des Spiels das Mana-Schwert aus dem Felsen, bricht dadurch unwissentlich das alte Siegel und ermöglicht es den bösen Kräften so, sich erneut zu verbreiten. Kurz darauf stellt der Junge erschrocken fest, dass auf dem gesamten Kontinent unzählige Monster erscheinen, und dass die Kraft des Bösen von Sekunde zu Sekunde stärker wird. Als Strafe für seine Tat wird der Junge schließlich aus seinem Heimatdorf verbannt und muss von nun an das Böse bekämpfen. Denn  nur der legendäre Mana Ritter, welcher das Mana-Schwert führt, kann, so heißt es in einer uralten Legende, die Welt vor dem Untergang bewahren. Die Story wirkt zwar ein wenig konstruiert. Das macht aber überhaupt nichts, weil die Geschichte in Secret of Mana gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht.

SoM.419png_thumbDas Besondere an Secret of Mana ist vielmehr, dass ihr es zu dritt spielen könnt. Zwar war der so genannte Multitap nicht in der Verpackung enthalten, doch wer ihn sich zusätzlich kaufte, konnte das gesamte Abenteuer zu dritt bestreiten. Im laufe des Spielverlaufes schließen sich dem Haupthelden nämlich zwei weitere Begleiter an. Zum ein junges Mädchen, das eigentlich nur ihren Geliebten Hagen aus den Klauen einer bösen Hexe befreien will sowie ein Koboldin, welche von ihrem Stamm getrennt wurde und von nun an als Attraktion bei den Zwergen lebt. Alle drei Charaktere können natürlich mit einem eigenen Namen ausgestattet werden und ergänzen sich wunderbar. So ist zum Beispiel der Junge der einzige Charakter, der das Mana-Schwert richtig führen kann und auch nur er kann, so viel sei schon mal verraten, den Mana Drachen am Ende des Spieles besiegen. Im laufe des Abenteuers findet die Gruppe die acht Paläste, welche jeweils einen Mana-Samen beherbergen. Die Mana-Samen bewacht außerdem immer ein Elementargeist (Feuer, Wasser usw.). Habt ihr diesen Elementargeist aufgesucht, bekommen das Mädchen und die Koboldin neue Zauber zur Verfügung gestellt. Während das Mädchen zum Beispiel Unterstützungszauber beherrscht, wie etwa das Heilen der Gruppe, kann die Koboldin den Feinden mit starken Angriffszaubern ordentlich einheizen. Natürlich sind manche Gegner gegen manche Zauber immun (man kann keinen Feuergegner mit einem Feuerzauber verletzten), andere Zauber sind dagegen effektiver als andere.

SoM.010png_thumbWährend ihr die Mana-Welt bereist (spielt ihr alleine werden eure Begleiter von der CPU übernommen, ihr könnt mittels Select aber immer zwischen den Charakteren hin- und herwechseln), stellen sich euch die verschiedensten Arten von Monstern in den Weg. Ausgestattet mit teilweise skurrilen Namen wie etwa "Pogopuschel" oder "Schmusetiger" müsst ihr euch im Echtzeitkampfsystem gegen sie wehren. Dabei heißt es aber nicht wie in anderen Spielen blind auf die Gegner zu hauen, sondern nach einem Schlag immer zu warten, bis der Angriff wieder voll aufgeladen wurde. Im Interface wird dies mittels einer Prozentanzeige dargestellt. Zwar könnt ihr nach einem Schlag sofort wieder angreifen, doch erst wenn die Anzeige 100% anzeigt, ist euer Angriff wieder richtig effektiv. Das Waffenrepertoire ist übrigens relativ groß ausgefallen. Neben dem Mana-Schwert gibt es Äxte, Speere, Bögen, Schlagringe, Hammer und noch viel mehr. Das viele Kämpfen mit einer bestimmten Waffe lohnt sich, da nach bestimmten Gegnern (meist Endgegner) so genannte Waffenorbs erscheinen, mit denen ihr beim Schmied Berti eure Waffe verbessern könnt. Insgesamt lassen sich die Waffen als auch die Zauber acht mal verbessern. Die Verbesserung spürt man nicht nur in den normalen Angriffen und dem Aussehen der Waffe sondern auch dadurch, dass man seine Waffe länger aufladen  und so noch stärkere Angriffe ausführen kann. Hierzu muss der Spieler den B Knopf gedrückt halten. Umso öfter ihr die Waffe aufladen könnt, ohne getroffen zu werden, desto effektiver ist letztendlich der Angriff. Die Waffen-, Item- und Zauberauswahl erfolgt übrigens durch ein schlichtes (dafür sehr effektives) Ringmenü. Bei den Kämpfen kommt es auf jeden Fall auf das Können der Spieler an, auch wenn es natürlich Charakterwerte gibt, die sich im Laufe des Abenteuers verbessern.

SoM.021png_thumbTechnisch gesehen ist das Spiel aller erste Sahne! Bunte Farbtöne bestimmten das grafische Gesamtbild. Triste oder farbarme Töne werdet ihr eigentlich nie finden. Die Grafiker bei Squaresoft haben sich hier wirklich alle erdenkliche Mühe gegeben und selbst einen nebeligen Wald bunt gehalten, damit eine nicht zu ernste Stimmung erzeugt wird. Auch in der Mana-Festung am Schluss, die quasi das große Finale im Spiel darstellt, gibt es noch viele grüne und rote Farben zu sehen. Die Orte die ihr bereist sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Sei es nun der vier Jahreszeitenwald, eine technisch moderne Stadt oder eine arme Wüstensiedlung - jeder Ort wurde mit viel Liebe zum Detail entworfen. Die Charaktersprites sind groß und charmant animiert, wie etwa im Fall des "tanzenden Arabers", der euch in jedem Laden und jedem Hotel erwartet.

Für die Musik im Spiel zeichnete sich Hiroki Kikuta verantwortlich. Die hohe Anzahl an unterschiedlichen Sounds war für die damalige Zeit (1993) einfach nur verblüffend.

SoM.450png_thumbDas Spiel wurde in Deutschland mit einem 76-seitigen Spieleberater ausgestattet, der nicht nur durch das Spiel führte, sondern auch viele Hintergrundinformationen zu den Waffen, Zaubern und Gegner besaß. Wie von Nintendo üblich wurde auch dieser Spieleberater mit viel Liebe zum Detail entworfen. Achtet beim Kauf also dringend darauf, dass dieser in der Verpackung enthalten ist. Mit viel Liebe aber auch einer gehörigen Portion Eigenkreativität wurde das Spiel für den deutschen Markt übersetzt. Japanischkundige werden die Texte größtenteils nicht mehr wieder erkennen, da nicht nur fast alle Namen sondern auch fast alle Orte einen anderen Namen bekommen haben. Auch die vielen im Spiel enthaltenen Witze wurden zum größten Teil komplett geändert. So wird relativ am Anfang des Spiels der Junge von einem Stamm eingeborenen Gefangen genommen, bevor sie ihn aber genüsslich verspeisen müssen sie zu erst die "Lindenstraße" zu Ende schauen. Im Original wollten sie eigentlich noch tanzen. Auch der Schmied bekam den Vornamen eines bekannten Fußballtrainers - Berti Vogts. Nichtsdestotrotz hat man bei der Übersetzung den richtigen Ton getroffen und unterstützt das Spiel in den vielen Momenten, in denen es sich nicht ganz so ernst nimmt. Zum Beispiel trefft ihr den Weihnachtsmann inklusive seiner Rentiere. Das Ende ist dafür mitreißend und traurig. Kleine Info zum Schluss: Secret of Mana ist in Japan unter dem Namen Seiken Denetsu bekannt und dort schon der zweite Teil einer Trilogie. Der erste Teil ist für den Game Boy unter dem Namen Mystic Quest auch in Europa erschienen, Seiken Denetsu 3 (Secret of Mana 2) verließ das Land der aufgehenden Sonne leider nie.

Fazit des Autors - JehutySecret of Mana ist somit ein mehr als nur gelungenes Spiel geworden. Es ist superb und gehört einfach in jede Super Nintendo Sammlung. Was Square hier entwickelt hat ist ein großartiges Spiel mit einem hohen Umfang, viel Spielwitz und einem fantastischen Gameplay. Vor allem zu dritt macht das Spiel unglaublich viel Spaß und sorgt für viele lange Nächte. Wer das Spiel noch nicht besitzt sollte sich schnell danach umschauen, ansonsten verpasst ihr einen Teil Videospielgeschichte!

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